Jugendtreff Schönau-Altenwenden

Test

Wiederherstellung einer Wacholderheide auf der alten Viehtrift in Schönau und Gestaltung als „Europa-Hain“

 

Hintergrund:

 

Auf dem „Nocken“, einem südexponierten Hang oberhalb des Ortes Schönau verlief früher die alte Viehtrift, d. h. der Weg über den jahrhundertelang das Vieh tagsüber zum Weiden in die Wälder getrieben wurde. Entlang jener Viehtriften entstanden infolge der täglichen Nutzung und Überweidung sogenannte Wacholderheiden. Diese sind äußerst artenreiche Lebensräume und inzwischen so selten geworden, dass sie in den Kanon der Lebensräume nach der europäischen Flora-Fauna-Habitatrichtlinie aufgenommen wurden. Auch auf dem Nocken ist aus der Wacholderheide in den letzten 30 Jahren ein Eichen-Birken-Wald geworden, und so ist nicht nur ein artenreicher Lebensraum verschwunden, sondern auch ein Zeugnis der kulturgeschichtlichen Vergangenheit des Ortes.

 

In Zeiten des Insektensterbens auf der einen und der Wiederentdeckung eines nicht ideologisch geprägten Heimatbegriffs, wäre es für die Natur und den Ort Schönau ein Gewinn, an historisch verbürgter Stelle wieder eine Wacholderheide zu haben. Natürlich könnte man diesen Lebensraum auch durch den Einsatz von Unternehmern wiederherstellen, doch wäre die Wertschätzung dieser besonderen Örtlichkeit im Ort um ein vielfaches höher, wenn Jugendliche maßgeblich an der Wiederherstellung beteiligt wären.

 

Darüber hinaus bieten die Örtlichkeit und der Termin der 72 Stunden-Aktion diverse besondere Aspekte:

 

Der Ort:

Auf einem kleinen Teil des Nockens hat der Schützenverein Schönau-Altenwenden - er feiert in diesem Jahr den 100. Jahrestag seiner Gründung - ein Ehrenmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege errichtet. Auf den Tafeln sind die Namen von 43, oft noch sehr jungen Männern verzeichnet.

 

Der Termin:

• Nur ein halbes Jahr vor der 72-Stunden-Aktion Aktion, im November 2018, gedachten wir des Endes des ersten Weltkriegs vor 100 Jahren, der als „Urkatastrohe“ des 20. Jahrhunderts gilt (insbesondere für Europa).

• Am 28.06.1919 wurde der Versailler Vertrag unterzeichnet, sicher kein Musterbeispiel für eine gerechte Friedensordnung.

• Am 1. September 2019 ist es 80 Jahre her, dass mit dem deutschen Überfall auf Polen der zweite Weltkrieg begann.

• Am 23. Mai, dem Start der 72 Stunden-Aktion wird die Bundesrepublik Deutschland 70 Jahre alt, jener Staat, in dem wir seither in Frieden leben und dessen Verfassung mit dem Satz beginnt: „Die Würde des Menschen ist unantastbar.“

• Am 26.05., dem Ende der 72 Stunden-Aktion ist Europawahl

 

Beide Weltkriege haben so viel Leid über die Menschen in Europa gebracht, dass ein versöhnliches Miteinander eigentlich nie mehr möglich sein sollte. Und doch gibt es heute ein Europa der offenen Grenzen, wo sich junge Menschen allerorten begegnen und eine gemeinsame friedvolle Zukunft gestalten können. Gleichzeitig gibt es Kräfte in Deutschland und Europa, welche die Idee eines vereinten Europa in Frage stellen. Wenn also die Menschen in Europa am 26.05.2019 wieder ihr gemeinsames Parlament wählen, sollen neben der vorrangigen naturschutzfachlichen Zielsetzung auch diese Aspekte in der Aktion aufgegriffen werden.

Es bedarf wenig Vorstellungskraft um zu vermuten, dass die Gefallenen der beiden Weltkriege uns um unser Leben in einem friedlichen, vereinten Europa beneidet hätten. Die Anzahl der Menschen, die sich dort am Volkstrauertag zum Gedenken versammeln, ist indes höchst „überschaubar“, die junge Generation fehlt vollkommen.

 

Wie wäre es also, diesen Ort des Gedenkens, der bislang nur den heimischen Kriegstoten gewidmet ist, räumlich zu ergänzen und ihn zu einem Ort des Gedenkens mit europäischer Perspektive und zu einem Zeichen für eine lebenswerte Zukunft in einem geeinten Europa Hoffnung zu machen?

 

Wacholder können bis zu 800 Jahre alt werden, gelten als „Bäume des Lebens“ und sind prägende Bestandteile eines seltenen Lebensraumtyps von europäischer Bedeutung. Welches Projekt könnte symbolhafter für eine lebenswerte Zukunft in einem geeinten Europa sein?

 

Inhalt der 72-Stunden Aktion:

 

Pflichtaufgaben:

• Entfernung des Gehölzreisigs auf einer rund 3.000 m² großen Fläche (Fällung und Holzaufarbeitung werden zuvor durch die Naturschutzbehörde beauftragt und durchgeführt)

• Abräumen der Grassoden

• Auflockerung des Bodens und Einsaat der Fläche mit speziellem Saatgut (werden von der Naturschutzbehörde beschafft)

• Auf einer rund 600 m² großen Teilfläche: Erstellung von 12 Lesesteinhaufen für Reptilien und Insekten, jeweils in der Form eines Sterns und in der Anordnung der Europafahne, so dass eine aus der Luft sichtbare Europafahne entsteht.

• Pflanzung von 48 neuen Wacholdern (entspricht der Zahl der Gefallenen und der bislang völlig unbeachteten zivilen Opfern beider Weltkriege in Schönau und Altenwenden), 12 davon (entspricht der Zahl der Gefallenen des ersten Weltkriegs) evtl. in unmittelbarer Nachbarschaft zu den o. g. Sternen (Wacholder aus gesicherter Herkunft werden von der Naturschutzbehörde gestellt); Sicherung der Wacholder gegen Fegeschäden

 

Kür:

• Errichtung eines Lesesteinhaufens am Fuße eines ca. 1,50 m hohen Pfahls mit Kreuz (dort kann in Zukunft jeder einen Stein ablegen, der die Stätte besucht)

• Gestaltung eines einfachen Tors / Hinweisschildes in den „Europa-Hain“

• Schiefertafeln mit Inhalten der europäischen Grundrechtecharta an die Steinhaufen

• . . . (was immer sich die Jugendlichen ausdenken und rechtlich sowie technisch machbar ist)

 

Mögliche Folgeeinsätze und Weiterentwicklung:

 

• Anbringen einer Informationstafel über das Naturschutz-Projekt (ggf. in Partnerschaft mit dem Naturpark Sauerland-Rothaargebirge)

• Mini-Kartierprojekte des Jugendtreffs (Entwicklung bestimmter Pflanzen; Nutzung der Fläche durch Reptilien etc.)

• Anbringen von kleinen Plaketten mit QR-Codes an jedem Wacholder, mit deren Hilfe persönliche Informationen über die Kriegstoten abgerufen werden können (evtl. übernehmen die Familien der Kriegstoten Patenschaften über die jeweiligen Wacholder)

• Gestaltung und Anbringen einer Namenstafel der im ersten Weltkrieg zeitgleich und im gleichen Frontabschnitt gefallen Soldaten aus Frankreich, England und Russland

• . . .

Sicherung der Nachhaltigkeit:

 

• Jugendtreff und andere örtliche Jugendgruppen (Jungschützen, Blaue Funken) schneiden jährlich einmal in der zweiten Mai-Hälfte mit Astscheren aufkommenden Gehölzaufwuchs

• Jährlich einmalige Beweidung der Fläche durch einen lokalen Schafhalter (Vertragsnaturschutz)

 

Jugendheim

Sankt-Elisabeht-Straße 17, 57482 Wenden-Schönau

Pressekontakt

Carolin Sieler
carolin.sielerwebde


Zum Seitenanfang